Apples Bildschirmzeit ist mächtiger, als die meisten Eltern glauben – und gleichzeitig an drei Stellen so gebaut, dass sie in der Praxis oft ins Leere läuft. Diese Anleitung geht alle Schritte durch und sagt danach ehrlich, wo die Grenzen liegen.
Die Menüpfade beziehen sich auf aktuelle iOS-Versionen (iOS 17 und neuer). Je nach Version können einzelne Bezeichnungen leicht abweichen, die Reihenfolge bleibt aber gleich.
Schritt 1: Familienfreigabe einrichten
Fast alle Probleme mit der Bildschirmzeit entstehen daraus, dass sie auf dem Kindergerät eingerichtet wurde statt über die Familienfreigabe. Nur mit einer Familienfreigabe könnt ihr alles von eurem eigenen iPhone aus steuern und Freigaben aus der Ferne erteilen.
- Auf eurem iPhone: Einstellungen → [euer Name] → Familie
- Mitglied hinzufügen → Kind erstellen oder bestehende Apple-ID einladen
- Beim Anlegen das korrekte Geburtsdatum angeben – daran hängen die Altersbeschränkungen im App Store
Kinder unter 13 Jahren brauchen zwingend eine über die Familienfreigabe erstellte Apple-ID. Wurde vorher ein Account mit falschem Geburtsdatum angelegt, lässt sich das nachträglich nur eingeschränkt korrigieren – in dem Fall lohnt der saubere Neuanfang.
Schritt 2: Bildschirmzeit aktivieren
- Einstellungen → Bildschirmzeit
- Unter Familie das Kind auswählen
- App- & Website-Aktivität aktivieren – ohne diesen Schalter bleiben Limits und Auszeiten wirkungslos
Schritt 3: Den Bildschirmzeit-Code setzen
Der wichtigste Schritt und der, an dem die meisten scheitern. Unter Bildschirmzeit-Code verwenden vergebt ihr einen vierstelligen Code.
- Der Code darf nicht der Entsperrcode des Geräts sein. Kinder kennen den in aller Regel.
- Kein Geburtsdatum, kein Muster wie 1234.
- Hinterlegt eine Wiederherstellungs-Apple-ID – ein vergessener Bildschirmzeit-Code lässt sich sonst nur durch Zurücksetzen des Geräts entfernen.
- Gebt den Code nicht weiter, auch nicht „nur dieses eine Mal".
Schritt 4: Auszeit einrichten
Die Auszeit ist ein Zeitfenster, in dem nur noch erlaubte Apps und Anrufe funktionieren – ideal für Nacht-, Hausaufgaben- oder Essenszeiten.
- Bildschirmzeit → Auszeit
- Zeitfenster festlegen, z. B. 20:00 bis 07:00 Uhr
- Optional Jeden Tag anpassen für unterschiedliche Wochenendzeiten
- Bei Auszeit blockieren aktivieren – sonst kann das Kind die Auszeit einfach wegtippen
Schritt 5: App-Limits setzen
Unter App-Limits → Limit hinzufügen wählt ihr Kategorien wie „Spiele" oder „Soziale Netzwerke" – oder tippt auf eine Kategorie und wählt einzelne Apps aus.
- Limits gelten pro Tag und setzen sich um Mitternacht zurück.
- Über Tage anpassen lassen sich Wochenenden großzügiger gestalten.
- Am Ende des Limits blockieren einschalten – ohne diesen Schalter ist das Limit nur ein Hinweis, den das Kind ignorieren kann.
Schritt 6: Immer erlauben und Inhaltsbeschränkungen
Unter Immer erlaubt legt ihr fest, was auch während der Auszeit läuft – Telefon und Nachrichten an vertraute Kontakte gehören hier meist hin.
Unter Beschränkungen (Inhalt & Datenschutz) regelt ihr Käufe im App Store, Altersfreigaben für Filme, Apps und Websites sowie – oft übersehen – ob das Kind Datenschutzeinstellungen und den Gerätecode selbst ändern darf.
Wenn das Limit allein nicht reicht
Knipsi setzt auf derselben Apple-Technologie auf, dreht die Logik aber um: Statt Zeit wegzunehmen, verdienen Kinder sie sich durch echte Aufgaben – bestätigt von euch per Face ID.
So funktioniert KnipsiDie vier häufigsten Umgehungstricks
Kinder sind erfinderisch, und ein paar Lücken sind hartnäckig. Die gute Nachricht: Alle vier lassen sich schließen.
1. Zeitzone oder Datum verstellen
Ein Sprung in der Uhrzeit setzt Tageslimits zurück. Gegenmittel: Beschränkungen → Datum & Uhrzeit → Nicht erlauben.
2. App löschen und neu installieren
Bei manchen Konstellationen startet das Limit dadurch neu. Gegenmittel: unter Beschränkungen → iTunes- & App-Store-Käufe sowohl „Apps installieren" als auch „Apps löschen" auf Nicht erlauben setzen.
3. Inhalte über andere Apps aufrufen
Ein gesperrtes soziales Netzwerk ist über den Browser oder eine eingebettete Web-Ansicht in einer anderen App oft weiter erreichbar. Gegenmittel: Websites gezielt beschränken und den Browser selbst ins Limit aufnehmen.
4. „Noch eine Minute" per Ignorieren
Ohne aktiviertes Blockieren darf das Kind Limits selbst verlängern. Gegenmittel: die Blockieren-Schalter aus Schritt 4 und 5.
Wo Apples Bildschirmzeit an ihre Grenze kommt
Technisch ist das System solide. Der Haken ist konzeptionell: Bildschirmzeit ist ein reines Verbotswerkzeug. Sie sagt „ab jetzt nicht mehr", aber sie sagt nie „das hast du dir verdient".
Für Kinder fühlt sich das nach Willkür an, weil die Grenze von außen kommt und mit nichts zusammenhängt, was sie selbst getan haben. Deshalb landet die Diskussion trotz perfekt eingerichteter Limits wieder bei euch – nur jetzt mit dem Zusatz, dass ihr den Code habt.
Genau an dieser Stelle setzt Knipsi an: Die Sperre bleibt technisch dieselbe (Apples FamilyControls), aber der Schlüssel liegt beim Kind. Wer eine Aufgabe erledigt und sie bestätigen lässt, bekommt Münzen – und Münzen werden zu Minuten. Was das technisch bedeutet, steht in unserem Beitrag zu Family Controls.
Häufige Fragen
Funktioniert die Bildschirmzeit auch auf dem iPad?
Ja, identisch. Über die Familienfreigabe gelten die Einstellungen für alle Geräte, die mit der Apple-ID des Kindes angemeldet sind.
Ich habe den Bildschirmzeit-Code vergessen.
Wenn eine Wiederherstellungs-Apple-ID hinterlegt ist, lässt er sich darüber zurücksetzen. Ohne diese Hinterlegung hilft nur das Zurücksetzen des Geräts. Deshalb: Wiederherstellung immer gleich beim Einrichten aktivieren.
Sieht Apple, welche Apps mein Kind nutzt?
Die Nutzungsdaten der Bildschirmzeit werden verschlüsselt zwischen den Geräten der Familie synchronisiert. Für Dritt-Apps, die auf FamilyControls aufsetzen, gilt zusätzlich: Sie erhalten von iOS gar keine lesbaren App-Namen – mehr dazu im Technik-Beitrag.